Gottesdienst zuhause feiern

Pfingstfest 2020, Hausliturgie von Pfarrerin Eva Forssman: Pfingsten, dieses liebliche Fest, so nennt es Goethe. Lieblich ist es, wenn Birkenzweige den Altar schmücken und die Kirche nach frischem Grün riecht. Viele aber wagen sich noch nicht in die Kirche, wollen auch anderen keinen Platz wegnehmen. Darum gibt es heute noch einmal eine Liturgie für zuhause. Wir besinnen uns wieder auf die ersten Gemeinden, die zuhause Gottesdienst feierten. Hier sind ein paar Vorschläge, wie Sie miteinander oder für sich zuhause feiern können.

"All Morgen ist ganz frisch und neu" EG 440, Text und Noten, im Video gesungen und gespielt von Kantor Johannes Janeck

Es hilft dabei, sich dafür vorzubereiten. Räumen Sie eine Ecke frei. Vielleicht haben Sie schon einen grünen Zweig, oder einen Margaritenstrauß, eine kleine rote Decke oder Serviette. Die Farbe für Pfingsten ist rot. Rot steht für die Kirche und ihre Zeugen, aber auch für das Feuer des Heiligen Geistes. Stellen Sie eine Kerze dazu und zünden Sie die Kerze an. Schon haben Sie einen heiligen Raum geschaffen. Außerdem benötigen wir Teelichter.

Heute fangen wir mit einem Bittlied an, einer Bitte um den Heiligen Geist: "Komm, heil’ger Geist, mit deiner Kraft" EG 564, Text und Noten, im Video gesungen und gespielt von Kantor Johannes Janeck (Youtube-Kanal St. Johannes)

 

Eine*r liest (oder reihum gelesen) diesen Segen (Ian Richardson übertragen von Eva Forssman):

Eines solltet ihr verstehen.
Dieser Segen ist nicht für euch allein.

Er ist darin sehr hartnäckig.
Versucht nicht einmal, ihn fest zu halten,
weil ihr allein seid,
und vielleicht denkt, ihr könntet ihn allein tragen.

Um diesen Segen zu ertragen,
solltet ihr euch an einen Ort bewegen,
an dem jede und jeder anders aussieht als ihr,
anders denkt als ihr,
an einen Ort, wo die Menschen anders glauben
und anderes glauben als ihr,
an dem ihre Gedanken und Ideen und Gesten
nicht Echo der euren sind.

Bringt euren Kummer mit,
eure Trauer, eure Furcht, eure Müdigkeit,
euren Schmerz und eure Empörung darüber,
wie zerbrochen die Welt doch ist,
wie gebrochen und bruchstückhaft,
weil sie ihre Kriege kämpft, und nicht bekämpft
ihren Hunger, ihre Neigung zur Macht,
ihre endlose Wiederholung der Geschichte,
die sie nicht überwinden will.

Ich behaupte nicht,
dass dieser Segen das in Ordnung bringen wird.

Aber an jenem Ort,
zu dem du gegangen bist,
warte.
Wache.
Lausche.
Leg zur Seite deine Unfähigkeit,
dich überraschen zu lassen.
Deinen Widerstand gegen alles,
was du nicht verstehst.

Sieh, wie dieser Segen sich auf deiner Zunge entflammt,
dich zum Reden bringt über das,
was du nicht ergründen kannst.

Oder wie er dein Ohr öffnet
für eine Sprache, die du nie verstanden hast,
die deinen Horizont überschreitet,
die kommt wie ein Wissen in deinen Knochen,
wie eine Klarheit in deinem Herzen
und du weißt:

das ist der Grund,
darum sind wir gemacht:
Wir sind gemacht für dieses Kneifen,
das uns öffnet
für diesen Kampf,
diese Gnade,
die uns entbrennt,
einander zu
und in den aufflammenden Tag.

Dann könnte man ein Pfingstlied singen: "O Heilger Geist, kehr bei uns ein" EG 130. Ich schlage dieses Lied vor, weil es zur Melodie eines Weihnachtsliedes gesungen wird und somit einen Bogen schlägt zu dem ersten großen Fest des Kirchenjahres.

 

Die Pfingstgeschichte, die wir kennen steht nicht in einem Evangelium, sondern in der Apostelgeschichte in Kapitel 2,1-13. Eine*r liest:

Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab.

Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer? Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache? Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen, Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden.

Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden?  Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins.

Ein kleines Gespräch:

Natürlich könnte man sich heute ausführlich über das Phänomen der Zungenrede unterhalten, oder darüber, wie in der Kirche alles anders geworden ist seit jenem Pfingsttag. Man könnte auch darüber debattieren, wie sich Gemeinde und damit Kirche sich nach diesem Einschnitt durch die Corona verändern werden und müssen. Für diese Debatte ist es Zeit und sie ist notwendig. Aber Pfingsten ist auch fröhliches Fest. Als ersten Schritt für die Debatte, wie Kirche sich reformieren muss, schlage ich daher vor, dass wir uns von den Aposteln (hier waren es wohl tatsächlich ausschließlich Männer) an die Hand nehmen lassen und  von den „großen Taten Gottes“ reden. Sie sind eine gute Grundlage für ein Gespräch über Krisen und Veränderungen, weil sie uns erden.

Das heißt, unsere Leitfragen könnten sein:

  • Welche große Taten Gottes kenne ich überhaupt?
  • Welche habe mich für ihn so entflammt, dass ich von ihnen eigentlich gerne erzählen würde, wenn ich mich nur traute? (Schließlich sind sogar die Apostel ausgelacht worden.)
  • Wie würde ich das denn tun?
  • Würde ich sprechen oder lieber musizieren oder etwas gestalten?

Für jede große Tat Gottes könnte man ein Teelicht anzünden und auf die rote Decke stellen.

Das gemeinsame Gebet: Nach dem Gespräch könnte man beim Gebet die großen Taten Gottes aufnehmen und für sie danken. Für Gebetsanliegen und für Menschen, die uns am Herzen liegen, könnte man noch weitere Teelichter entzünden.

Gemeinsam sprechen wir zum Abschluss:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name,
dein Reich komme,
dein Wille geschehe
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen,
denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Wer mag kann noch einen Kanon singen: „Ausgang und Eingang“ EG 175

 

Die Feier endet mit einem kräftig gesprochenen

Amen, so sei es.

Musik zum Schluss: "Geh aus mein Herz und suche Freud", interpretiert von Dieter Falk